23.05.2016 | VBSM

Nachruf

Sterbeanzeige Artmeier gross fuer Newsartikel
Alfred Michael Artmeier, Leiter der Abteilung Volksmusik am Bayerischen Rundfunk von 1970-1990 und Träger der Carl-Orff-Medaille des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V.; Foto: Loechle.

zum Tode von Herrn Alfred Michael Artmeier * 16.12.1925 † 22.05.2016

Der Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V. trauert um einen langjährigen und verdienten Förderer und Wegbegleiter des Musikschulwesens in Bayern.

Aus einem musikliebenden Haus stammend, in dem wöchentlich das Streichquartett und andere Hausmusik gepflegt wurde, hat Alfred Artmeier schon früh Geigen-, Klavier- und Gitarrenunterricht erhalten und später auch Klarinette und Violoncello gespielt. Nach der humanistischen Schulbildung am Münchner Luitpold-Gymnasium und dem Wehrdienst folgten Studien in der Münchner Musikakademie und ein Lehrauftrag am Trapp´schen Konservatorium in München. Seinen Schwerpunkt verlagerte er schnell auf Arrangieren und Komponieren. Auf dem Sektor des Kulturfilms, von Hörspiel- und Fernsehmusiken gibt es von Artmeier eine stattliche Anzahl eigener Kompositionsarbeiten, Instrumentalschulen und Spielhefte. Artmeier kann zu Recht als ein Mann der ersten Stunde aus dem Kreis Münchner Musikschaffender nach dem Ende des 2. Weltkrieges am sich neu gestaltenden Bayerischen Rundfunk bezeichnet werden.

Sein musikalisches Betätigungsfeld war weit gespannt. Von Orlando di Lasso-Festkonzerten als Lautenist unter Eugen Jochum und als Gitarrist in Hörspielen bis hin zur zeitgenössischen Musica viva und klassischen Liedbegleitungen sowie als führender Sologitarrist in den besten Tonstudios Westeuropas und in den Army-Clubs von München. Über 14.000 Einzeltitel hat Artmeier allein bis 1970 bei Schallplattenproduktionen miteingespielt. Für die Abteilung Kinderfunk im BR komponierte Artmeier die Thema-Melodie für das beliebte abendliche „Betthupferl“, mit dem Generationen von Kindern in Bayern ins Bett gebracht wurden.

Schon in den Nachkriegsjahren war der Name „Fred Artmeier“ im Bayerischen Rundfunk ein Begriff, im Auftrag der amerikanischen Militärregierung leitete er jahrelang eine tägliche Mor-gensendung mit Livemusik des „Enzian-Sextetts“, dazu holte er u. a. Max Greger und Hugo Strasser in sein Ensemble. Vom BR wurde er in den 60er Jahren beauftragt, Aufnahmen von Interpreten authentischer Volksmusik aus aller Welt aufzuspüren. Alfred Artmeier wurde 1970 als Nachfolger von Karl List zum Leiter der Abteilung Volksmusik am Bayerischen Rundfunk berufen. In den Folgejahren baute Artmeier das Archiv seiner Abteilung mit unzähligen Aufnahmen zu einer der bedeutendsten Musiksammlungen in Europa aus. Bei Wettbewerben der 35 Rundfunkanstalten Europas erzielte die Volksmusikabteilung des BR dreimal erste Preise beim Prix de Bratislava.

Schon bald suchte Artmeier nach Kontakten zu den Sing- und Musikschulen in ganz Bayern und förderte mit vielen Konzertmitschnitten, Studioaufnahmen und Sondersendungen die Arbeit der Musikschulen. Den 1. Bayerischen Musikschultag 1978 in Erding zeichnete der BR für eine Sondersendung auf. Seit dem begleitet der BR bis zum heutigen Tag die Bayerischen Musikschul-tage des VBSM. Es folgten neue Sendereihen, u. a. „Mundus Cantat“ mit internationaler Folklo-re„Schüler bayerischer Musikschulen musizieren“, „Am Abend in der Stubn“, „Volksmusik in Stadt und Land“, „Volksmusik in Bayern und Südtirol“ im Kloster Neustift Brixen, „Völker-Lieder-Tänze“, „Internationale Volksmusik“, „Hörts zua wias singa und spuin“, „Geistliche alpenländische Volksmusik“ im Kloster Andechs.

Die Volksmusikgruppen der Alpenländer brachte Artmeier in regelmäßigen Konzerten und der Sendung „Alpenländische Begegnung“ zusammen, in Kooperation mit den Sendern RAI Bozen, ORF und Schweizer Rundfunk. Unvergessen sind auch die musikalischen Treffen der acht Donauländer in Novi Sad. Der Bayerische Rundfunk öffnete sich auf Betreiben von Artmeier in den 1980er Jahren zunehmend den Blasorchestern und Chören Bayerns und gründete im BR die neue „Redaktion Laienmusik“. Es begann eine fruchtbare Zusammenarbeit der Musikverbände im Bayerischen Musikrat; ein Zeichen sind die bis heute jährlichen gemeinsamen Veranstaltungen zu den „Europatagen der Musik“. Das 1. Europäische Musikfest der Jugend 1985 mit mehreren tausend Musikschülern aus ganz Europa auf dem Olympiagelände München war auch für die BR-Abteilung Artmeiers ein großer Erfolg und Meilenstein der Zusammenarbeit mit den Musikschulen. Durch Aufnahmen und Sendungen rückten die bayerischen Sing- und Musikschulen zunehmend in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Wichtig für die Musikschulen waren auch die Wortsendungen, um vor einer breiten Zuhörerschaft auf die Erfolge ihrer Arbeit hinweisen zu können, aber auch auf die Sorgen und Nöte, vor allem auf finanziellem Gebiet. Die Musikschulen konnten ihr Selbstverständnis weiterentwickeln und auch kritisch ihre eigene Situation erkennen.

1983 verlieh der VBSM der Abteilung Volksmusik im Bayerischen Rundfunk unter Leitung von Alfred Artmeier in Anerkennung der Verdienste um das bayerische Musikschulwesen die Carl-Orff-Medaille. Die Laudatio hielt der Kemptener Oberbürgermeister und damalige Präsident des VBSM, Dr. Josef Höß.

Die Nachwuchsförderung in den Musikschulen war Artmeier immer ein besonderes Anliegen. Regelmäßig lud der BR bayernweit Gesangs- und Musikgruppen ein und erweiterte das musikalische Spektrum seiner Musikabteilung. Ein großer Erfolg Alfred Artmeiers war die Regionalisierung der Volksmusiksendungen und das Gelingen des Ausgleichs musikalischer Förderung im BR als „Dreiklang“ zwischen Altbayern, Franken und Schwaben.

Fred Artmeier, der Sohn Alfred Artmeiers war ab 1985 Redaktionsleiter der Laienmusik unter dem Hauptabteilungsleiter für Musik Jürgen Meyer-Josten und setzte die gute Zusammenarbeit mit den bayerischen Sing- und Musikschulen überaus erfolgreich fort. Für die bayerischen Sing- und Musikschulen danken wir Alfred Artmeier und dem Bayerischen Rundfunk dafür, dass er uns in seiner Abteilung ein musikalisches Sprachrohr gegeben hat. In gemeinsamer Aufgabe haben wir uns bemüht, das Musische im jungen Menschen zu wecken und zu fördern und ihn aktiv in das Musikleben einzubeziehen in einer kreativen Haltung zu seiner gesamten Umwelt.

Der Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V. dankt Alfred Artmeier für die langjährige Musikschulförderung und außerordentlich fruchtbare und freundschaftliche Zusammenarbeit.

Reinhard Loechle, Ehrenmitglied des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V.